Für Eltern

Der Leidensweg zur Schulverweigerung

Wahrscheinlich haben Sie jahrelang morgendliche Kämpfe, seltsame Krankheitssymptome – teilweise vorgespielt, teilweise schon real – miterlebt. Nun sind Sie an einem Punkt angekommen, wo Sie entweder lange genug „Schule“ versucht und genug haben oder einfach nicht mehr weiter wissen.

Der Druck von außen – von Attestpflicht bis hin zu anderen Sanktionen – hat sich über die Zeit auch verstärkt, und nicht nur Sie drohen zusammenzubrechen. Nein, auch ihr Kind, denn die Gesellschaft übt ja diesen Druck nur auf Sie aus, damit Sie ihn an Ihr Kind weitergeben.

Die negativen Konsequenzen von Druck und Zwang

Druck und Bedrohungen sind – wie der Fachmann sagt – „schwarze Pädagogik“. Da Straf-Pädagogik dazu führt, dass Kinder sich allein und verlassen fühlen, sich niemandem anvertrauen können, ein Leben in Abwehr- und Habacht-Stellung verbringen, ist diese Art der Pädagogik mittlerweile geächtet.

Jemanden durch Bestrafung und Erniedrigung gefügig zu machen, jemanden zum Funktionieren zu bringen nur um des Funktionieren Willens, verschlimmert alle bestehenden Probleme. Dennoch sind die Schulgesetze teilweise sehr alt und kommen noch aus „finsteren Zeiten“.

Das Schlimme daran für Sie als Eltern ist, dass der Abstand zwischen Ihnen und Ihrem Kind so groß werden kann, dass Sie es praktisch verloren haben. Anschreien und Tränen sind an der Tagesordnung. Oder Ihr Kind zieht sich komplett zurück – antwortet nicht mehr. Die Hausaufgaben fürchten Sie schon mehr als Ihr Kind.

Manipulation entfremdet

Stellen Sie sich einfach vor, wenn Ihr Partner bei allem, was Sie nicht wollen, antworten würde: „Da musst Du durch!“, „Mach das jetzt einfach, dann hast Du es hinter Dir!“, „Was Dich nicht umhaut, macht Dich nur stärker!“, „Mir hat das auch nicht geschadet!“, „Du machst das nicht für mich, sondern für Dein Leben!“, „Später wirst Du mir dankbar sein!“.

Wie würden Sie sich fühlen? Manipuliert, ignoriert, missachtet, ausgenutzt, allein gelassen in Ihrer Beziehung? Diese Art der Manipulation entfremdet Sie von Ihrem Partner. Ihrem Kind geht es genauso.

Vielleicht würden Sie auch anfangen, ein Flucht- oder Suchtverhalten zu entwickeln. Das kann Computerspielen oder Alkohol sein. Es kann auch andere schlimme Formen annehmen.

Erste Schritte in die „neue Welt“

Sie sind den ersten Schritt gegangen und trauen sich, über ein Lernen außerhalb der Schule nachzudenken. Sie verabschieden sich vom Schulgebäude und öffnen sich für ein Lernen in der echten Welt.
Wir helfen Ihnen bei den ersten Schritten und unterstützen Sie auch bei offiziellen Angelegenheiten mit Ämtern etc.

Schulfreie Bildung korreliert mit harmonischerem Familienleben

Für manche Eltern mag das unglaublich klingen, denn die Zeit mit den Kindern wird oft als stressig und aufreibend empfunden. Und da scheint die Schule ja zunächst doch einiges an Freizeit für die Eltern mitzubringen – einfach durch die Abwesenheit der Kinder.

Dennoch schießt das Empfinden, eine glückliche Familie zu sein bei den Familien, die sich aus dem System Schule zurück gezogen haben, nach oben.

Das hängt damit zusammen, dass die ganzen kleinen Aufgaben, die den Familienalltag stressig werden lassen, mit der Schule zu tun haben. Kinder früh ins Bett bringen, Kinder um 6.30 Uhr aus dem Bett holen, Abendessen herunter schlingen, Familienmitglieder zu Tätigkeiten zwingen, deren Sinn man selber nicht sieht. Das geht je nach Stresslevel bis hin zu Wohnzimmerkriegen. Die Familie verkommt zu einer Kühlschrankgemeinschaft.

An Stelle dessen tritt ein Lebensstil, in dem Sie und Ihr Kind üben können, aufeinander einzugehen, und wieder entdecken können, eine glückliche Familie zu sein.

Interessen fördern, gegenseitiges Verständnis, mit Freiheit umgehen lernen

Bei schulfreier Bildung haben Sie die Möglichkeit, mit viel weniger äußerem Stress die Interessen und Fähigkeiten Ihres Kindes zu fördern.

Sie sehen, wie Ihr Kind besser wird in den Dingen, die es gerne macht. Und Sie können sich mit ihm darüber freuen. In dem Maße, wie Sie die Stärken Ihres Kindes fördern, in dem Maße sehen Sie auch, wie dessen Persönlichkeit entsteht. Dieses „Aufblühen“ ist ein unglaublich schönes Erlebnis und wahrscheinlich der evolutionäre Kern des Elternseins.

Die Interessen Ihres Kindes sind der Schlüssel zu seiner Persönlichkeit. Seine Schwächen sind Inseln in einem Meer voller möglicher Fähigkeiten.

Buchtipps – guter Rat für die ersten Schritte

Um tiefer in diese neue Welt eintauchen zu können, hier eine kleine Literaturauswahl:

„Das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist nicht, Menschen und deren Verhalten zu ändern, um unseren Willen durchzusetzen: Es geht darum, Beziehungen aufzubauen, die auf Ehrlichkeit und Empathie beruhen, so dass schließlich die Bedürfnisse aller erfüllt sind.“

Marshall B. Rosenberg – Gewaltfreie Kommunikation

„Wenn Kinder sich so fühlen, als ob sie gute Leistungen bringen müssen, damit ihre Eltern stolz auf sie sind, dann kann es sein, dass sie diese Bedingung verinnerlichen. Ab diesem Moment fühlen sie sich auch nur noch gut, wenn sie gute Leistungen erbringen.“

Alfie Kohn – Liebe und Eigenständigkeit: Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung

„Wenn Eltern Kindern Zeit lassen können, lassen sich viele sinnlose und kraftraubende Konflikte vermeiden.“

Jesper Juul – Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertegrundlage für die ganze Familie

„Als ein Elternteil, dessen Kind nie zur Schule ging, habe ich mich oft gewundert, wer mehr in unserer Familie lernt – die Eltern oder die Kinder. Das Gebiet, auf dem ich wohl am meisten dazu lerne, ist über die Natur des Lernens selber.“

Jan Hunt – Das Freilernerbuch: Betrachtungen zum Leben ohne Schule

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